Die kleine Lederkunde: Das Wichtigste für den Lederhosenkauf

01.02.2019 12:00 | Jetzt kommentieren

Leder begleitet die Menschheit schon lange. Bereits die alten Ägypter gerbten Tierhäute, um sie haltbar zu machen. Bei den Römern kam es unter anderem als Rüstung zum Einsatz und die Indianer errichteten daraus ihre Tipis. Auch die uns wohl bekannte Gletschermumie Ötzi trug Klamotten aus Leder - ein geschichtsträchtiges Stück Stoff.

Auch heute werden mit Leder Schuhe, Gürtel, Taschen und natürlich traditionelle Lederhosen gefertigt. Doch was macht dieses Material eigentlich so toll?

Zum einen ist Leder besonders geschmeidig. Zum anderen ist es aber auch robust, langlebig, relativ wasserundurchlässig und dennoch atmungsaktiv. Wussten Sie, dass ein Gramm Leder bis zu 300 Quadratmeter innere Oberfläche aufweisen kann? Dies ist unter allen Materialien bislang einzigartig und führt dazu, dass es bis zu 30 % Feuchtigkeit in sich aufnehmen kann, ohne sich nass anzufühlen. Aufgrund dieser Eigenschaften ist dieser Rohstoff unglaublich vielseitig einsetzbar. Doch schauen wir uns doch mal genauer um - Leder ist nicht gleich Leder. Mit unserer kleinen Lederkunde sind Sie bestens für den Kauf Ihrer bayerischen Lederhose gewappnet. Und auch sonst lässt sich mit diesem Wissen ganz gut angeben.

Zu allererst müssen Sie wissen, dass Leder ein naturgewachsenes Material ist. Das heißt, jedes Stück ist auf seine Weise einzigartig. Unabhängig von der Lederart können immer mal wieder farbliche und strukturelle Unterschiede auftauchen. Diese Individualitäten sind keinesfalls als Makel zu bezeichnen, sondern sind vielmehr gewollt und geschätzt. So eine Lederhose soll so einzigartig wie ihr Träger sein.

Die verschiedenen Lederarten

Hirschleder

Hirschleder ist das wohl exquisiteste Leder, das in der bayerischen Trachtenmode zum Einsatz kommt. Darum geht uns schon allein bei dem Gedanken daran, das Herz auf. Kein Wunder - Hirschleder ist ein knappes Gut, da es zumeist aus der Jagd stammt. Der sogenannte "Euro-Hirsch" lebt frei in den Wäldern Europas und ist Basis für die meisten unserer Hirschlederhosen. Dieses Material weist einzigartige Strukturen auf, die durch das wilde Leben entstehen können. Durch Kämpfe, Sträucher und Zäune kann sich ein Hirsch im Laufe seines Lebens schon mal die ein oder andere Schramme zuziehen. Dies verleiht einer Lederhose dann einen ganz speziellen, individuellen Charakter, der von Kennern sehr geschätzt wird.

Im Gegensatz hierzu kommt das Leder eines Neuseeland-Hirschen viel reiner und makelloser daher. Diese Tiere leben dort in riesigen abgezäunten Gehegen, wo sie keinerlei natürliche Feinde haben. Unsere Hallein Lederhose ist beispielsweise ein Exemplar, das aus diesem Material gefertigt wurde. Ob nun ein charakteristischer Look mit etwaigen Makeln (die ja eigentlich keine sind) oder ein harmonischeres Bild bevorzugt wird, liegt ganz im Auge des Betrachters.

Eigenschaften: Hirschleder beeindruckt nicht nur mit seiner Optik. Auch das Tragegefühl ist wunderbar. Dieses Material ist bekannt dafür, dass es sich besonders weich und angenehm anfühlt. Daher passt es sich auch sehr schnell seinem Träger an. Darüber hinaus zählt das Leder zu den langlebigsten und lässt sich, nicht zuletzt aufgrund der hingebungsvollen Sämischgerbung (siehe unten), leicht reinigen und pflegen.

Hirschlederhosen von Trachten24

Wildbockleder

Wildbockleder - das ist die etwas traditionellere Bezeichnung für das Leder der Wildziege. Dieses feine Material hat bereits eine lange Tradition, wenn es um bayerische Tracht geht. Klug in der goldenen Mitte eingereiht ist Wildbockleder von edlerer Natur als Rindsleder und dennoch erschwinglicher als Hirschleder. In der sämisch gegerbten Variante ist eine Wildbocklederhose sogar eine günstigere (jedoch keinesfalls "billige") Alternative zur unverkennbaren Hirschlederhose. Diese Modelle überzeugen ebenfalls mit einem rustikalen Flair, einzigartigen Farbverläufen und einer grandiosen Qualität.

Eigenschaften: Wildbockleder ist leichter als die anderen Lederarten, die in der traditionellen Landhausmode verwendet werden. Daher ist der Tragekomfort besonders angenehm. Es ist anschmiegsam und trotzdem robust - perfekt als Basis für die Trachtenlederhose!

Rindsleder

Das Leder vom Rind ist die gebräuchlichste Ledersorte der Welt. Das verwundert nicht weiter, da dieses wertvolle Material ein Nebenerzeugnis der Ernährungsindustrie ist. Daher ist Rindsleder auch besonders preiswert zu haben. Für uns ist es weit mehr als nur ein Nebenerzeugnis. Für uns ist es der Preis-Leistungs-Sieger, wenn es um die Herstellung bayerischer Tracht geht.

Eigenschaften: Rindsleder ist besonders robust, strapazierfähig und passt sich dennoch seinem Träger an. Daher eignet es sich nicht nur optimal für fesche Trachtenlederhosen, sondern ebenso für stabile Taschen und traditionelle Haferlschuhe.

Trachtenschuhe von Trachten24

Büffelleder

Büffelleder hat vor allem bei den Ureinwohnern Amerikas eine Geschichte, die weit zurückreicht. Heute ist das Material aufgrund seiner einzigartigen Eigenschaften auch anderorts, beispielsweise als Polsterbezug oder Handtasche, beliebt. Der Büffel ist zwar mit dem uns bekannten, heimischen Rind verwandt, sein Leder unterscheidet sich jedoch etwas davon.

Eigenschaften: Die Oberfläche des Büffelleders ist gröber und großporiger strukturiert, als die des Rinds. Darum erzeugt es einen wunderbar rauchigen Charm. Außerdem bringt es eine beachtliche Robustheit und Langlebigkeit mit.

Lederhose Madeleine aus Büffelleder

Oberflächenbehandlung

Da wir nun die Herkunft der verschiedenen Ledersorten erörtert haben, die in der bayerischen Trachtenmode Anwendung finden, widmen wir uns im nächsten Schritt der Oberflächenbehandlung. Diese ist für die Optik des Leders entscheidend.

Veloursleder

Veloursleder ist für die meisten wohl das, was sie sich unter „normalem“ Leder vorstellen. Die Oberfläche fühlt sich etwas rau an und bietet eine grobfaserige Optik. Dieses Aussehen wird im Volksmund oft auch Wildleder genannt, obwohl dies etwas irreführend ist. Dieser Begriff sagt nämlich lediglich aus, dass das Leder von einem wildlebenden Tier stammt.

Das, was bei Veloursleder sichtbar ist, also die Außenseite der Lederhose, ist die Fleischseite des Leders oder die Oberfläche einer gespaltenen Lederhaut. Letzteres wird auch Spaltleder genannt. Ledersorten, die von Natur aus relativ dick sind, z.B. Rindsleder, werden hierbei in mehrere, zweckdienlichere Schichten zerlegt.

Eigenschaften: Offenporige, raue Struktur, sehr atmungsaktiv

Nappaleder

Das Gegenteil von Veloursleder ist das Nappaleder. Bei dieser Verarbeitungsform wird das Leder nach außen hin verarbeitet. Das heißt, die Narbenseite des Leders (auch genannt Haarseite) ist sichtbar.

Eigenschaften: Weiche, glatte Oberfläche, besonders weich und anschmiegsam

Nubukleder

Nubukleder ist eine Variante des Nappaleders. Hierbei liegt die Narbenseite des Leders wieder außen. Darüber hinaus wurde diese Seite angeschliffen, was für eine samtartige, weiche Oberfläche sorgt - ähnlich dem Veloursleder, nur noch etwas feiner!

Eigenschaften: Griffig, samtig und weich, stark atmungsaktiv

Exkurs: Sämisches Gerbungsverfahren

Beim Stöbern durch unser Sortiment, werden Sie vielleicht feststellen, dass bei manchen Lederhosen der Begriff „sämisch“ im Produktnamen enthalten ist. Dies bezeichnet die Art, wie das Leder gegerbt wurde. Ganz allgemein gesprochen wird Leder gegerbt, um es zu konservieren, also haltbar zu machen. Die Sämischgerbung ist ein ganz besonderer Prozess unter den Gerbungsverfahren. Hier wird das Leder, oft noch per Hand, mit Fischtran behandelt. Dieses Fett ist optimal für diesen Vorgang geeignet, da es einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren enthält. Falls Sie jetzt Bedenken haben, das Leder könnte danach „fischeln“, können wir Sie beruhigen. Von dem Fischtran bleibt am Schluss nicht die geringste Spur zu bemerken - außer natürlich der positive Effekt der Gerbung.

Das sämische Gerbungsverfahren kann je nach Handhabung 3 bis 9 Monate dauern. Doch das Warten lohnt sich: Am Ende dürfen Sie sich über ein überaus geschmeidiges, atmungsaktives und langlebiges Leder freuen. Dazu lässt sich eine Lederhose aus Sämischleder leichter reinigen.

Selbstverständlich werden die Schmankerl der Tracht, die Hirschlederhosen, mit diesem edlen Verfahren bearbeitet. Doch auch eine erlesene Auswahl an Wildbocklederhosen werden damit gekonnt veredelt.

Wir hoffen, dieser kleine Ausflug in die Leder-Lehre hilft Ihnen beim Kauf Ihrer bayerischen Lederhose weiter. Sollten Sie dennoch Fragen haben, kontaktieren Sie uns gerne über das Kontaktformular, telefonisch oder per Facebook bzw. Instagram.

Haben Sie viel Freude mit Ihrem neuen Wissen!

Viele Grüße aus Regensburg,

Ihr Trachten24-Team

Kategorie:   Wissen

Trachtenmode aus diesem Artikel


Kommentar eingeben